Lackieren [m]einer Solidbody Gitarre


Im vergangenen Jahr habe ich über Ebay relativ günstig eine American Standard Strat® (Bj. 90) ersteigert. Diese Gitarre war sicherlich auch deshalb billig zu haben, weil sie mit einem schlecht gemachten "Ozzy Osbourne" Airbrush versehen war (...ich war der einzige Bieter). Ich möchte hier einmal beschreiben, wie ich diese Gitarre neu lackiert habe. 

Grundsätzlich sollte man eine alte Gitarre mit ihrer Patina allerdings nur neu lackieren, wenn es wirklich unumgänglich ist. Der Charme eines über Jahre gespielten Instrumentes mit seinen Macken und Kratzern und seiner von Licht, Schweiss und Nikotin vergilbten Oberfläche ist nach dem Refinish dahin. Die Entscheidung zur Lackierung sollte man also gut überdenken. In meinem Fall war das Instrument nicht wirklich alt, dafür aber reichlich verbastelt und der originale Lack war auch nicht mehr zu retten. Alles in allem also ein guter Kandidat für ein Re-Finish.

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Entfernen des alten Lackes:

Zuerst muss das Instrument natürlich zerlegt werden. Dazu müssen z.T. Kabel abgelötet werden. Man sollte sich von der Verdrahtung eine Skizze machen, damit man die Elektronik hinterher wieder zusammengelötet bekommt.

Den Hauptteil der Arbeit hat das Entfernen der ursprünglichen Werkslackierung ausgemacht . Sie bestand aus einer milchig-durchsichtigen Grundierung, einer farbigen Schicht sowie vermutlich einem transparenten Decklack. Eigentlich war es auch kein Lack im herkömmlichen Sinne, sondern eher ein Kunststoffüberzug. Dieser Schicht ist sowohl mechanisch mit Schleifpapier als auch mit Abbeitzer nur sehr schwer beizukommen. Ich stehe Abbeitzern eigentlich skeptisch gegenüber. Dennoch würde ich davon abraten, den Lack auf mechanischem Wege zu entfernen. Man sieht nämlich nur sehr schlecht, wann man diese Schicht durchgeschliffen hat. Ist man aber erstmal beim Holz angekommen, dann hat man auch schon relativ schnell z.B. die Kontur des Bodys "vergnaddelt". Ausserdem hat so eine Gitarre sehr viele schlecht zugängliche Ecken. Und wenn man erst einmal einige Stunden geschliffen hat und die Fingerspitzen weh tun, lässt auch irgendwann die Sorgfalt nach. Dann hat man schnell eine Delle im Holz und die ist nach dem Lackieren u.U. deutlich zu sehen. In meinem Fall habe ich zuerst den Lack bis auf die Grundierung mit grobem Schleifpapier, teils mit dem Schwingschleifer, teils per Hand heruntergeschliffen. Die Grundierung selbst habe ich dann mit Abbeitzer entfernt. 

Abbeitzer ist recht aggressiv. Bei der Arbeit sollte man Handschuhe und eine Schutzbrille tragen. Gerade bei warmem Wetter kann so eine Dose mit Abbeitzer auch einmal unter leichtem Druck stehen. Mir ist beim Öffnen eines Gebindes der Deckel mit lautem "Plopp" gegen die Stirn geflogen und ich hatte an der Stelle, die mit dem Zeug in Berührung gekommen ist, einige Tage lang einen roten Fleck. Das hätte auch ins Auge gehen können. Also: Aufgepasst!

Ich habe drei unterschiedliche Abbeitzer ausprobiert. "Ozzy" ging mit allen dreien gut 'runter. Der originalen PU Lackierung / Grundierung war allerdings nur mit dem Abbeitzer von Fa. Karstadt ("Streich mit") beizukommen. Nicht funktioniert haben in diesem konkreten Fall:

Das Abbeitzen hat auch wesentlich länger gedauert, als auf dem Gebinde angegeben. Mit einer Viertelstunde Wartezeit ist es nicht getan. Man muss den Body satt einpinseln und mindestens 1-2 Stunden warten. Irgendwann reisst der Lack stellenweise in kleine, puzzelartige Stücke auf, die man mit einem Spachtel entfernen kann (...ich kann Euch versichern, dass es mit dem o.g. Abbeitzer wie beschrieben funktioniert hat - auch wenn in Mailinglisten manchmal andere Prognosen abgegeben werden). Bei mir hat sich die Aktion über einige Tage hingezogen... 

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Vorbereitung:

Nach dem Entfernen des Lackes sollet man den Body erstmal gründlich mit Wasser und einer Bürste reinigen. Dieses oberflächliches Abspülen schadet dem Body nicht.

Wenn das Instrument schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatte, sind vermutlich einige der Schraublöcher (z.B. beim Pickguard) überdreht. Die Gelegenheit ist günstig, jetzt alle Löcher mit Dübelholz zu verschliessen und später neu zu bohren. Dazu besorgt man sich eine passende Hartholzstange (~4mm). Dann bohrt man die Schraublöcher vorsichtig und schön senkrecht so tief auf, wie die Schrauben lang waren. Das geht, wenn man sorgfältig arbeitet, auch ohne Bohrstativ. Für die Bohrtiefe kann man sich am Bohrer z.B. mit Kreppband eine Markierung anbringen.

Das Dübelholz schneidet man sich jeweils etwas länger als benötigt ab. Dann gibt man etwas Holzleim in die Bohrung und schlägt den Dübel mit einem Hammer und einer Zwischenlage aus Holz (z.B. ein Stück Leiste o.ä., sonst schlägt man mit dem Hammer schnell eine Delle in den Body) ein. Das überstehende Ende wird mit einem Schnitzmesser (...scharfes Küchenmesser geht zur Not auch...) plan abgeschnitten.

Jetzt müssen evtl. vorhandene Stoßstellen im Holz behandelt werden. Kleine Dellen kann man später beim Grundieren füllen, indem man bei jedem Streichen mit Schnellschliffgrund einen Tropfen davon in die Unebenheit laufen lässt, bis die Stelle ausgefüllt ist.

Besonders an den Kanten kann man Macken u.U. beseitigen, indem man die Stelle eine Zeit lang lokal wässert (z.B. durch Auflegen eines nassen Stückes Tuch, Wattebausch, etc). Ist die Feuchtigkeit etwas in das Holz eingezogen, bearbeitet man die Stelle mit der in ein feuchtes Tuch eingeschlagen Spitze eines heissen Lötkolbens. Das in die Holzporen eingedrungene Wasser verdampft dann und drückt die beschädigte Stelle wieder nach aussen.

Größere Fehlerstellen muss man mit einer passenden Spachtelmasse glätten. Ich hatte mir zu diesem Zweck "Clou Holzpaste" besorgt, habe sie dann allerdings doch nicht benötigt. Insofern kann ich hier nicht über praktische Erfahrungen damit berichten.

Danach habe ich das Holz trocken mit 240er Schleifpapier geschliffen.

Für die Grundierung habe ich "Clou Schnellschliffgrund" auf Nitrobasis benutzt. Entsprechende Produkte von "Zweihorn" sollen ebenfalls gut geeignet sein. Die Grundierung habe ich mit einem Pinsel aufgetragen. Der Schnellschliffgrund trocknet -wie der Name schon sagt- recht schnell, sodass man am Tag 2-3 mal auftragen kann. Am Folgetag habe ich dann die Grundierung mit 400er Nassschleifpapier leicht übergeschliffen, um Pinselspuren und evtl. aufgetretene Tropfen zu glätten. Insgesamt habe ich den Schnellschliffgrund so lange aufgetragen, bis man optisch eine gewisse Dicke der Schicht erahnen konnte. Dann habe ich mit 600er und 1000er Nassschleifpapier geschliffen, sodass der Body hinterher aussah, wie seidenmatt lackiert. Wenn man die Oberfläche feucht abwischt, kann man ganz gut sehen, ob man die Grundierung irgendwo durchgeschliffen hat. Die Oberfläche sollte jetzt schon glatt und gleichmässig aussehen und keine Unebenheiten, Pinselstriche, Poren o.ä. mehr aufweisen.

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Lackieren:

Für die Farblackierung habe ich benutzt:

  • Dupli-Color "Dupli Aerosol Art Colors" (Nitro-Kombi Lack, Sprühdose, Kurt Vogelsang GmbH)
  • ColorMatic "Sonderanfertigung" (Klar-Decklack; ColorMatic ist ein System von Vogelsang, bei dem man beim Händler Sonderfarben in eine herkömmliche Sprühdose abgefüllt bekommt. Ich habe mir einen "vergilbten" Klarlack mit einer Spur Ocker anmischen lassen)

Um mit dem Body hantieren zu können, habe ich an die Halsverbindung ein ca. 50cm langes Stück Dachlatte angeschraubt. Zum Aufhängen habe ich eine Drahtschlaufe angebracht. Das Lackieren fand in einem Zelt aus Folie, welches ich im Keller aufgehängt hatte, statt. Das Zelt ist erforderlich, weil sich schnell Staubfusseln aus der Luft auf der frisch lackierten Oberfläche absetzen. Um diesen Fusseln vorzubeugen, ist es auch vorteilhaft, den Body zu Beginn jedes Sprühdurchganges mit einem antistatischen Tuch abzuwischen. 

Es sei davor gewarnt, dass sich der Lackstaub wirklich bis in die kleinste Ritze verteilt und es im ganzen Haus nach Lösungsmittel riecht. Man sollte bei dieser Arbeit unbedingt eine Schutzmaske tragen und gut lüften!

Für die Farblackierung habe ich zweimal pro Tag in kurzem Abstand je zwei Sprühdurchgänge Farbe aufgetragen. Es empfiehlt sich, zusätzlich zum Body auch ein Holzbrett zu lackieren. Man kann daran vor jedem Sprühgang ausprobieren, ob sich der Lack beim Sprühen gut verteilt und man bekommt durch das Probesprühen wieder ein Gefühl für das Handling. Wichtig ist auch, dass man die Farbdose vor dem Sprühen wirklich gut durchschüttelt. Und man sollte für gutes Licht bei der Arbeit sorgen!

Beim Sprühen setzt man ausserhalb des Bodys an und geht dann systematisch vor: Zuerst die Kannten, dann Vorder- und Rückseite, jeweils z.B. erst horizontal und dann vertikal. Dabei kommt es auf den Richtigen Abstand und die optimale Geschwindigkeit an. Ist man zu schnell oder zu weit entfernt vom Body, dann verflüchtigt sich das Lösungsmittel schon auf dem Wege von der Dose zum Holz. Der Lackauftrag sieht "krümelig" oder "fusselig" aus. Geht man hingegen zu langsam vor oder ist mit der Dose zu dicht am Holz, steigt die Gefahr, dass sich "Lecknasen" ausbilden. Es dauert ein paar Sprühdurchgänge, bis man es einigermaßen 'raus hat. Zum Glück lassen sich die meisten Fehler nach dem Trocknen durch leichtes Überschleifen wieder ausbessern. Eigentlich sollte man zwischen den einzelnen Durchgängen jetzt aber nicht mehr schleifen, damit man eine gewisse Dicke der Farbschicht erreicht.

Bei Fender waren, zumindest in der Anfangszeit, die Gitarren eher dünn lackiert. Man sollte die Lackschicht so dünn wie möglich und so dick wie nötig machen. Bei meiner Strat habe ich fünf farbige Schichten (zu je zwei Durchgängen) aufgetragen (aber zwischendurch und auch am Schluss Unsauberkeiten ausgebessert und geschliffen) und am Ende drei Schichten Klarlack aufgetragen.

Beim Mischen von unterschiedlichen Lackarten muss man auf die Verträglichkeit der Lacke untereinander achten.So kann man z.B. Acryllack über Nitrolack auftragen, umgekehrt soll es jedoch nicht gehen. Bei Unsicherheit probiert man es besser vorher aus.

Ich habe mir, wie gesagt, einen "Klarlack" mit einer Zugabe von etwas Ocker mischen lassen und bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die farbige Lackierung erscheint zusammen mit dem Überzugslack deutlich wärmer. Auch variiert der Farbton in der Fläche leicht mit dem am Rand der Gitarre, was die Lackierung lebendiger erscheinen lässt. Es darf aber wirklich nur sehr wenig Ocker beigemischt werden und man muss bei der Lackierung auf einen gleichmässigen Auftrag achten.

Insgesamt habe ich 4 1/2 Dosen Farb- und zwei Dosen Klarlack sowie zwei Dosen Clou Schnellschliffgrund G1 benötigt.

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Polieren:

An diesem Punkt braucht man erstmal viel Geduld. Bevor man dem Lack mit Schleifpapier und Politur zuleibe rückt, sollte man den Body mindestens drei, besser vier Wochen Zeit zum Trocknen geben. (Auch danach ist das Instrument noch eine Weile sehr empfindlich uns sollte mit entsprechender Vorsicht behandelt werden.)

Beim Polieren habe ich mit 1000er Nassschleifpapier die groben Unebenheiten beseitigt und habe dann vorsichtig mit 2000er Papier so lange geschliffen, bis die Oberfläche frei von den kleinen spiegelnden Inseln war, die man zu Anfang sieht. Zu Anfang habe ich einen Schleifklotz aus Kork benutzt, später habe ich kleine Stücken des Papiers in die Finger genommen. Besonders an den Kannten muss man gut aufpassen, dass man nicht zuviel wegschleift. Irgendwo habe ich gelesen, dass man für eine glasartige Oberfläche bis zum Ende einen Schleifklotz benutzen sollte. Ich hatte allerdings den Eindruck, das die Gefahr des Durchschleifens geringer ist, wenn man das Papier in die Hand nimmt. Man spürt einfach besser, was man tut.

Zum Schluss wird die Gitarre mit Polierpaste und Polierwatte auf Hochglanz poliert. Benutzt habe ich:

  • Nigrin "Auto Lack Creme"

Mit dabei ist ein Schwamm, mit dem die Paste aufgetragen wird (Schwamm dazu leicht anfeuchten) Nachdem die Politur etwas angetrocknet ist, kann man die Oberfläche der Gitarre mit nicht zu gleichmässigen Bewegungen auspolieren. 

Vor dem Zusammenbau müssen jetzt ggf: noch die Löcher für die Schrauben neu gebohrt werden. Der Bohrer soll einen Durchmesser haben, der dem Kerndurchmesser der benutzten Schrauben entspricht. Die Punkte kann man sich z.B. mit einem Eddingstift anzeichnen. Die Löcher für das Schlagbrett bohrt man am besten durch das aufgelegte Pickguard hindurch. Vor dem Verschrauben werden die gebohrten Löcher per Hand mit einem Senker etwas angesenkt. Sonst kann es passieren, das der Lack beim Eindrehen der Schraube splittert. Man sollte die Gitarre nicht zu früh zusammenbauen und am Anfang die Schrauben auch nicht zu fest anziehen. Selbst, wenn man beim Polieren den Eindruck hatte, der Lack sei eigentlich schon recht hart, kann es doch passieren, dass sich beim Anziehen der Schrauben z.B. das Schlagbrett in den Lack eindrückt (...das konnte man beispielsweise gut bei der ursprünglichen "Ozzi"-Lackierung der Gitarre sehen)

Ausserdem bildet sich beim Lackieren an den Kanten der Halsfräsung ein Lackwulst, der vor dem Einsetzen des Halses entfernt werden muss. Sonst kann es sein, dass der Hals dort später den Lack absprengt. Man kann die überstehende Farbe recht gut z.B. mit einem Metallspachtel abziehen.

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Zum Schluss:

Diese Art der Lackierung ist nicht vergleichbar mit heutigen Industrielackierungen. Die Oberfläche ist empfindlicher gegen Kratzer und der Lack sinkt auch im Laufe der Zeit leicht ein. Irgendwann sieht man z.B. wieder die Leimfugen des Bodies sich im Lack abzeichnen. Vielleicht stellen sich nach ein paar Jahren feine Haarrisse ein. Nitrolack vergilbt mit der Zeit und der Glanz der Oberfläche ist nicht glasartig, sondern eher so, wie bei einer polierten Frucht. Aber das ist es gerade, was so eine Lackierung ausmacht: Lebendigkeit.

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