Tone Bender MK I

Grandfather Of Fuzz


Viele Protagonisten des Rock haben in ihrer Laufbahn einmal zu einem der unterschiedlichen Tone Bender Modelle gegriffen. Belegt ist das zum Beispiel bei Jimmy Page (MK II), Pete Townshend oder Mick Ronson (MK I).  In der letzten Zeit habe ich mich einmal damit beschäftigt, die verschiedenen Variationen des Tone Bender Fuzz zu erkunden:


Für den Tone Bender MK I habe ich dann keinen fertigen Bausatz gefunden. Eigentlich kann man die Bender aber ja auch sehr gut auf Lochrasterplatinen oder Lötleisten aufbauen. Im Netz findet man dazu diverse Anleitungen. Und Bausätze zusammen zu bauen ist ja doch auch irgendwie ein bischen wie Malen nach Zahlen... :-)

Für mich war das Bauprojekt Tone Bender MK I der Anlass, mich etwas intensiver mit Fritzing auseinander zu setzen und eine Platine zu entwerfen. Die Software lässt sich intuitiv bedienen und ist, wie ich inzwischen finde, das ideale Werkzeug, um Platinen für kleinere Projekte zu entwickeln.

Bild der Platine
Platine Tone Bender MK I


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Aufbau

Die Platine passt z.B. in das Gehäuse 125B von Mammoth Electronics . Wer es nicht so mit der Mechanik hat: Es gibt diese Gehäuse gegen einen geringen Aufpreis auch als vorgebohrte Version :-)

Die Ansicht von außen  Ansicht von innen

In einigen Foren im Internet war nachzulesen, dass es bei der Auswahl der Transistoren für einen guten Sound vor allem auf einen recht hohen Leckstrom ankomme. Der Typ der Germaniumtransistoren oder deren Stromverstärkung seien dagegen eher zweitrangig. Das hat sich bei meinen Versuchen weitgehend bestätigt: Am besten klingt der Bender mit Transistoren, die einen Leckstrom von 200-300uA aufweisen. Mit "hochwertigeren" Exemplaren -gerade bei Q3- kann das Gating recht extrem werden. Mir standen für den Aufbau etwa 20 Transistoren mit unterschiedlichen Werten zur Verfügung, die ich hin und her getauscht habe. Herausgekommen sind letztlich die Exemplare, die ihr auf dem Foto seht (hFE 63/118/111). Die Transistoren mit höherem Leckstrom (170uA/240uA/340uA) haben in der Tat eine bessere Figur gemacht.

Ausgemessen habe ich die Transistoren nach der Methode, die auf der Geofex-Seite beschrieben ist. Die Schaltung dazu lässt sich recht einfach auf einer Streifenrasterplatine aufbauen.

Die Transistoren sollt man unbedingt sockeln, denn zur Optimierung des Sounds kommt man nicht darum herum, unterschiedliche Exemplare auszuprobieren. Bewährt haben sich dafür gedrehte Kelchfassungen, die zur Aufnahme von ICs gedacht sind. Die LED kann man prima -wie ebenfalls auf dem Bild zu sehen- mit einem Stück Streifenrasterplatine verdrahten.


Detail mit Blick auf
                Transistorsockel und LED


Die benutzten PNP Germaniumtransistoren sind russische MP20A. Diese weisen eine Stromverstärkung zwischen 50 und 120 auf und haben bei meine letzten Fuzz-Projekten recht gut funktioniert.


Voransicht Verdrahtungsplan
Verdrahtungsplan <Vollbild>


Die im Verdrahtungsplan eingezeichnete Schutzdiode ist eine 1N4148. Die Bezeichnung der Bauteile auf der Platine bezieht sich auf den im Internet verbreiteten Plan mit der Bildunterschrift "Sola Sound Ltd - Tone Bender MK I (Rev 1.0/1965)":

R1
1M
C1
0.01uF
Q1
MP20A
R2
8k2
C2
22uF
Q2
MP20A
R3
470k
C3
0.1uF
Q3
MP20A
R4
1k8
C4
0.1uF


R5
47k Pot A




R6
2k2




R7
8k2




R8
15k




R9
47k




R10
2M2




R11
470k Pot A




Rcl
2k7





Zu bedenken ist, dass bei diesem Treter der Pluspol der Spannungsversorgung mit dem Gehäuse verbunden ist. Er darf sich also das Netzteil nicht mit anderen Effekten teilen, bei denen das Gehäuse normalerweise an Masse liegt! Der Bender und seine Verwandten benötigen in dieser Kombination ein eigenes Netzteil - oder man betreibt ihn mit einer Batterie.


Sound

...ja, wie soll man den Sound beschreiben?

Wenn Pete Townshend auf Live At Leeds einen Tone Bender MK I benutzt hat, dann ist dieser hier schon recht nah 'dran:

Er hat ein leichtes "Gating", das sich bemerkbar macht, wenn man aus einer Pause heraus einen Power Chord spielt. Der Ton springt einen förmlich an.

Dann gibt es auch sowas, das man bei einem Verstärker als "Sag" bezeichnen würde. Bei dynamischen Anschlägen bricht der Ton ein wenig ein und die Höhen treten etwas zurück. Dadurch ändert sich die Klangfarbe in Abhängigkeit von der Dynamik jeweils leicht und der Ton wirkt recht lebendig.

Die Töne verklingen lange ziemlich angenehm. Irgendwann setzt dann ein gewisses Tickeln ein - so, wie es in Beiträgen im Internet manchmal beschrieben wird.

Der Attack Regler funktioniert über einen weiten Bereich recht gut. Am Ende des Regelbereiches tut sich dann irgendwann nicht mehr viel. Dazu findet man im Netz den Vorschlag, den Widerstandswert des Potis ggf. entsprechend zu verkleinern oder einen Widerstand parallel einzulöten.

Nicht so gut reagiert der Bender auf das Zurückdrehen des Volume-Potis an der Gitarre. Dann wird das Gating schnell aufdringlich.


Tone Bender und Gibson SG
                    / P90
Eine Aufnahme vom klassische Paar: Gibson SG mit P90 und Tone Bender MK 1


Downloads und Links


(1) Aisler B.V. bietet die Möglichkeit, in Fritzing erstellte Platinen direkt zu fertigen. Kunden können ihre Projekte auf der Plattform der Firma öffentlich zugänglich machen. Ich habe keine über meinen Fertigungsauftrag hinausgehende Verbindung zur Firma Aisler.


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